Coronakrise: Update zu Marktlage und Portfolioanpassung

19. März 2020  |  Scalable Capital
Portfolioanpassung Corona 1600
Seit zwei Wochen schichtet unser Risikomanagement die Kundenportfolios um. Die Aktienquoten wurden teils stark gesenkt, die Cashpositionen aufgestockt. Hier erklären wir die Hintergründe.

Die Börsenturbulenzen rund um Corona dauern an. In diesem Artikel erklären wir, wie das Geschehen an den Märkten einzuordnen ist und wie unser Risikomanagement reagiert.

1. Was passiert an den Aktienbörsen?

  • Der S&P 500 hat von seinem Februar-Hoch zwischenzeitlich rund 30 Prozent eingebüßt, der DAX fast 40 Prozent.
  • Außergewöhnlich ist vor allem die Geschwindigkeit der Kursrückgänge. Sie verliefen mit einer zuvor nie dagewesenen Dynamik. Das zeigt unsere Grafik, in der alle Korrekturen von mehr als 25 Prozent des S&P 500 seit 1928 abgebildet sind. Der aktuelle Bärenmarkt ist der schnellste in fast 100 Jahren. Die Kurse fielen doppelt so rasch wie im Crash der Weltwirtschaftskrise 1929.
  • Anders als in bisherigen großen Bärenmärkten, zum Beispiel bei der Dotcom-Krise und beim Kollaps der Lehman-Bank im Jahr 2008, wurde der bisherige Kurseinbruch nicht durch „Vorbeben“ angekündigt, die sich in den Risikodaten zeigen.

Der schnellste Rückschlag der Geschichte

Verlauf der Kursrückgänge von mindestens 25 Prozent im S&P-500-Index seit 1928*

Portfolioanpassung Corona 1
* In lokaler Währung; Verlauf bis zum Tag, an dem die Verlustmarke von 25% überschritten wurde; Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen. Hinweis: Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.
  • Wie hoch die Nervosität am Aktienmarkt in der Coronakrise ist, lässt sich auch am VIX ablesen, dem Volatilitätsindex des S&P 500. Jüngst übersprang der VIX die Marke von 80 Punkten und übertraf somit das Hoch, das in der großen Finanzkrise von 2008 erreicht wurde. Der VIX impliziert somit Kursbewegungen von fünf Prozent pro Tag.

2. Wann passen wir unsere Portfolios an?

Am Anfang der Coronakrise wurden nur geringe Veränderungen in den Portfolios vorgenommen. Seit zwei Wochen werden die Aktienquoten signifikant abgebaut. Wie kommt es zu diesen Umschichtungen?

  • Unser Risikomanagement analysiert die Risiken an den Börsen. Verändert sich das Risiko nachhaltig, werden Umschichtungen vorgenommen. Dazu werden fortlaufend Einschätzungen für mögliche Entwicklungen an den Finanzmärkten berechnet.
  • Die meisten Risikoanstiege und Kurskorrekturen an der Börse sind nur von kurzer Dauer. Die Kurse erholen sich bald wieder. Zu häufige und zu schnelle Umschichtungen sind daher nicht zweckdienlich. Langfristig wirkt sich dieses hektische Handeln negativ auf die Performance des Portfolios aus. Unser Risikomanagement muss daher stets abwägen, ob ein Risikoanstieg nachhaltig ist. Nur dann sind Umschichtungen sinnvoll. Ein nachhaltiger Risikoanstieg ist wahrscheinlich, wenn das Risiko über längere Zeit auf hohem Niveau verharrt. In solchen Phasen drohen weitere Kurskorrekturen an den Börsen. Die großen Ausschläge der Risikoindikatoren und das Verharren dieser Indikatoren auf historischen Höchstständen bestätigen, dass ein Regimewechsel stattgefunden hat. Wir befinden uns in einer Phase andauernd hoher Finanzmarktrisiken. Die Aktienquoten wurden daher reduziert. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Niemand weiß mit Sicherheit, ob die Kurse weiter fallen. Aber das Risiko dafür hat sich seit vergangener Woche deutlich erhöht.
  • Sollten Verluste nicht einfach ausgesessen werden? Das gilt, solange die Chancen für eine Erholung größer sind als für einen weiteren Kursverfall – und ist der Grund, warum wir nicht sofort handeln, wenn das Risiko steigt. Bei den aktuell nachhaltig hohen Risikoniveaus drohen weitere Kursverluste. Deshalb ist es sinnvoll, die Aktienquote zu reduzieren. Zudem wurde der Aktienanteil nicht auf null abgebaut. Je nach Risikokategorie würde man also auch im Fall einer Trendwende noch partiell profitieren. Und wenn die Risiken nachhaltig sinken, erhöht das Risikomanagement den Aktienanteil wieder.

3. Wie wurde die Asset Allocation in den Portfolios verändert?

Das Risikomanagement hat die Aktienquoten in allen Risikokategorien abgebaut. Sie liegen jetzt unter den langfristigen Durchschnittsniveaus. In den niedrigen Risikoklassen (VaR 3% bis 9%) wurde auch der Anteil von Unternehmensanleihen gesenkt. In allen VaR-Kategorien wurde zudem der Cash-Anteil deutlich aufgestockt.

Die Änderungen im Detail:

  • In den höchsten Risikokategorien (VaR 20% bis 25%) wurde die Aktienquote im Mittel von fast 70 Prozent auf knapp über 40 Prozent abgesenkt.
  • Die Depots in den mittleren Risikokategorien (VaR 10% bis 19%) waren bereits moderater aufgestellt. In den VaR-15%-Portfolios etwa reduzierte das Risikomanagement den Aktienanteil von rund 50 Prozent auf etwas über 30 Prozent.
  • In den risikoarmen Depots bis VaR 5% wurde die bereits geringe Aktienquote weiter zurückgefahren. Sie liegt jetzt zwischen drei und acht Prozent.
  • Im Gegenzug stieg der Cashanteil in allen Risikokategorien auf mehr als zehn Prozent an.

Aktienquote deutlich reduziert

Durchschnittsgewichte in Portfolios mit VaR 5%, VaR 15% und VaR 25%

Portfolioanpassung Corona 2
Stand: 19.03.2020; Abweichungen der Summe der Prozentwerte von 100% durch Rundungen.

Für alle Werte gilt: Sie geben den Durchschnitt in der jeweiligen Risikokategorie an. Die Gewichte in den individuellen Portfolios können davon abweichen.

4. Wie ist die Wertentwicklung in den Depots einzuordnen?

Die Börsenturbulenzen haben unsere ETF-Depots zuletzt deutlich ins Minus gedrückt. In einigen Risikokategorien ist der Zwölf-Monats-Verlust höher als der entsprechende Value-at-Risk (VaR). Wie wahrscheinlich sind solche Kursrückgänge?

  • Wir betrachten beispielhaft ein Portfolio mit 15% VaR. Die Risikokennziffer bedeutet: Der Verlust im Portfolio sollte auf Jahressicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent nicht höher als 15 Prozent ausfallen.
  • Umgekehrt lässt sich folgern: Mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf Prozent kommt es auf Jahressicht zu Verlusten von mehr als 15 Prozent. Im Schnitt ist also einmal in 20 Jahren mit einem größeren Rückschlag über einen Zwölf-Monats-Zeitraum zu rechnen.
  • Inzwischen bestehen kaum noch Zweifel, dass die Coronakrise schon mit ihrer bisherigen Dynamik einen dieser Fünf-Prozent-Fälle darstellt.

5. Wie geht es weiter?

Welche Richtung die Börsenkurse in den kommenden Monaten einschlagen, weiß niemand mit Sicherheit. Aber unser Risikomanagement stuft aufgrund der Risikolage die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Kursverfall derzeit als stark erhöht ein. Verharrt das Risiko an den Aktienmärkten weiterhin auf einem so hohen Niveau, wird das Risikomanagement die Aktienquoten weiter verringern. Umgekehrt wird der Aktienanteil sukzessive wieder nach oben gefahren, wenn das Risiko nachhaltig sinkt. Mit dieser risikobasierten Steuerung der Aktienquote wird nicht der Anspruch erhoben, den Wendepunkt im Markt genau zu treffen. Vielmehr soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, mögliche weitere Kurskorrekturen zu dämpfen, ohne auf die Chance auf künftige Kursgewinne zu verzichten. Dies steht im Gegensatz zum sogenannten Market-Timing, bei dem meist emotional entweder voll investiert oder alles verkauft wird. Die Gewinn- und Verlustchancen gleichen hier einem Münzwurf.

Wir wissen, dass die jüngsten Kursrückschläge für Anleger sehr schwer zu ertragen sind. Doch sie gehören an den Finanzmärkten dazu. Von seinem Tief im Jahr 2009 hat der S&P 500 bis Ende 2019 etwa 450 Prozent zugelegt – durchschnittlich rund 17 Prozent pro Jahr. Aktuell steht er in etwa auf dem Niveau von Ende 2018. Auch wenn die Börse weiter fällt: Die Indexgewinne sind noch lange nicht aufgezehrt. Bärenmärkte kommen immer wieder. Sie sind unangenehm, aber verschwinden auch wieder. Und langfristig ist die Börse stets gestiegen. Es lohnt sich, einen kühlen Kopf zu bewahren und seiner Anlagestrategie treu zu bleiben.

Risikohinweis – Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen. Wir erbringen keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Sollte diese Website Informationen über den Kapitalmarkt, Finanzinstrumente und/oder sonstige für die Kapitalanlage relevante Themen enthalten, so dienen diese Informationen ausschließlich der allgemeinen Erläuterung der von Unternehmen unserer Unternehmensgruppe erbrachten Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Bitte lesen Sie auch unsere Risikohinweise und Nutzungsbedingungen.

 

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Scalable Capital Gründerteam
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Digitale Vermögensverwaltung
Scalable Capital wurde 2014 gegründet und ging Anfang 2016 mit seiner Vermögensverwaltung in Deutschland an den Start. Heute betreut das Fintech aus München und London ein Kundenvermögen von mehr als zwei Milliarden Euro. Seit 2017 hält der Finanzkonzern BlackRock einen signifikanten Minderheitsanteil an Scalable Capital. Zudem arbeitet das Unternehmen mit Siemens Private Finance und der Direktbank ING zusammen. Für seine Kunden verwaltet Scalable Capital global diversifizierte ETF-Portfolios auf Basis seiner eigens dafür entwickelten Risikomanagement-Technologie.