Glossar

page-cover-image-faq3

Hier finden Sie Begriffserklärungen für Ihr Finanzwissen.

Begriffe zum Thema Finanzplanung

Diversifikation
 

Das finanzielle Risiko einer Geldanlage kann durch Investitionen in eine Vielzahl verschiedener Anlageklassen und Einzeltitel reduziert werden. Dies liegt darin begründet, dass verschiedene Wertpapiere typischerweise unterschiedlich auf Marktereignisse oder makroökonomische Faktoren reagieren. Dadurch kann ein breit gestreutes (diversifiziertes) Portfolio als Ganzes eine niedrigere Varianz aufweisen als die gewichtete durchschnittliche Varianz der im Portfolio enthaltenen Einzeltitel. Der Diversifikationseffekt hängt mit dem Grad des Gleichlaufs der einzelnen Anlagen im Portfolio zusammen. Ein Portfolio mit hoher Diversifikation kann dadurch sogar weniger volatil sein als der Einzeltitel mit der geringsten Volatilität im Portfolio.

Diversifikation wird oft mit dem Sprichwort „Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen” umschrieben. Wird die zerbrechliche Ware auf mehrere Körbe aufgeteilt und man lässt einen Korb fallen lässt, bleiben die Eier in den anderen Körben unversehrt. Diversifikation funktioniert nach dem gleichen Prinzip: wenn man in nur eine Anlage (z.B. eine einzelne Aktie) investiert, diese aber im Wert fällt, so erleidet man den Wertverlust 1:1 mit. Investiert man aber in eine ganze Reihe unterschiedlicher Anlagen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe), kann man davon profitieren, dass sich Anlagen in der Regel nicht in komplettem Gleichlauf entwickeln und der negative Einfluss der Wertveränderung einer einzelnen Anlage dadurch einen geringeren Einfluss auf die Wertentwicklung des Gesamtportfolios hat.

Üblicherweise bezieht sich der Begriff Diversifikation auf ein Streuen der Geldanlage über mehrere Wertpapiere oder Anlageklassen hinweg. Allerdings macht auch Diversifikation in Bezug auf die Regionen, in die investiert wird, Sinn. Selbst in der heutigen globalisierten Welt reagieren Marktwirtschaften unterschiedlich auf makroökonomische Gegebenheiten, so dass internationale Diversifikation sinnvoll sein kann.

Robo-Advisor
 

Der Begriff „Robo-Advisor“ wird in der Presse verwendet, um Firmen zu beschreiben, die entweder eine digitale Vermögensverwaltung anbieten oder Anlegern mit digitalen Methoden bei der Auswahl von Anlageprodukten helfen. Sofern damit eine digitale Vermögensverwaltung gemeint ist, die Anlegerportfolios umschichten darf, kann diese mithilfe moderner Technologie und Automatisierung Anleger vor emotional getriebenen oder irrationalen Fehlentscheidungen schützen.

Zinseszins
 

Der Zinseszins ist ein wichtiges Konzept bei der Geldanlage, denn durch Zinseszinsen können Vermögen exponentiell ansteigen, vorausgesetzt, die in einer Anlageperiode jeweils erreichten Zinsen/Renditen werden nicht aus der Anlage abgezogen, sondern in der folgenden Anlageperiode weiterhin investiert. Dadurch, dass die neue Anlagesumme für die Folgeperiode nicht nur aus dem ursprünglichen Anlagebetrag besteht, sondern um die bereits erreichten Zinsen/Renditen erhöht wurde, können auch – ceteris paribus – absolut gesehen höhere Zinsen/Renditen im Folgezeitraum realisiert werden.

Beispiel: Eine Anfangsinvestition von 10.000 Euro erwirtschaftet jährlich eine Rendite von 5 Prozent, was in einem Anlagewert i.H.v. 10.500 nach Ablauf des ersten Jahres resultiert. Am Ende des zweiten Jahres steigt die Einlage auf 11.025 Euro, am Ende des dritten Jahres auf insgesamt 11.576,25 Euro. Hätte man die jährliche Rendite jeweils aus dem Portfolio abgezogen und nur den ursprünglichen Betrag reinvestiert, hätte man in Summe lediglich 11.500 Euro erwirtschaftet, also 76,25 Euro weniger. Nach Ablauf von 30 Jahren steigt der Unterschied auf 18.219,42 Euro an, da man mit Zinseszins ein Vermögen von 43.219,42 Euro erwirtschaftet hätte, wohingegen man ohne Reinvestition der Zinsen lediglich 25.000 Euro erwirtschaftet hätte.

Die Formel für die Berechnung eines künftigen Vermögenswerts inkl. Verzinsung der bereits erwirtschafteten Renditen/Zinsen lautet:
F = P * (1+i)t,
wobei
F = Zukunftswert
P = Aktueller Wert
i = Jährlicher Nominalzinssatz in Prozent (5% = 0,05)
t = Anlagezeitraum in Jahren

Stock-Picking
 

Mit dem Begriff Stock-Picking bezeichnet man eine im aktiven Fondsmanagement angewandte Strategie, bei der ein Investor Analysen durchführt, um vorherzusagen, welche Aktien sich besser oder schlechter als der Markt entwickeln werden. Aktien, für die eine Outperformance erwartet wird, werden gekauft (eine sogenannte ‚Long-Position‘), Aktien, für die eine Underperformance erwartet wird, werden entweder aus dem bestehenden Portfolio verkauft oder leerverkauft (eine sogenannte ‚Short-Position‘). Aktive Fondsmanager erhoffen also, durch vermeintliche Informationsvorsprünge gegenüber anderen Marktteilnehmern eine bessere Performance erwirtschaften zu können als der Markt.

Die Sinnhaftigkeit von Stock-Picking wird in zahlreichen empirischen Studien angezweifelt, da es in der Regel nicht möglich ist, eine ausreichende Überrendite zu erwirtschaften, um die mit den Analysen einhergehenden Kosten zu rechtfertigen. Lesen Sie dazu auch die Studien von Vanguard und der Professoren Fama und French, sowie den Artikel im Forbes-Magazin.

Aktive Geldanlage / aktives Investment-Management
 

Die aktive Geldanlage ist eine Anlagestrategie, bei der der Portfoliomanager gezielt einzelne Wertpapiere auswählt, um dadurch eine bessere Performance zu erreichen als die Benchmark (in der Regel ein Index wie bspw. der DAX). Das sogenannte Stock-Picking ist eine Form des aktiven Investment-Managements.

Beim aktiven Investment-Management geht der Portfoliomanager also davon aus, dass am Markt Ineffizienzen in Form inkorrekter Bewertungen von Wertpapieren bestehen. Auf Basis eines vermeintlichen Informationsvorsprungs gegenüber anderen Marktteilnehmern, der üblicherweise durch Analysen und besseren Zugang zu marktrelevanten Nachrichten erreicht werden soll, werden dann unterbewertete Wertpapiere gekauft oder überbewertete Wertpapiere leerverkauft. Je nach Anlageziel kann der Portfoliomanager auch versuchen, die Volatilität des Portfolios im Vergleich zur Benchmark zu reduzieren, ohne deswegen geringere Renditen zu erwirtschaften.

Eine aktive Geldanlage basiert auf quantitativen oder qualitativen Methoden wie bspw. dem Vergleich von Kurs-Gewinn-Verhältnissen bzw. Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnissen oder der Analyse des Einflusses makroökonomischer Faktoren auf bestimmte Einzelwerte.

Zahlreiche empirische Studien deuten darauf hin, dass es aktiven Fondsmanagern in der Regel nicht gelingt, eine ausreichende Überrendite zu erwirtschaften, um die mit den Analysen einhergehenden Kosten zu rechtfertigen. Lesen Sie dazu auch die Studien von Vanguard und der Professoren Fama und French, sowie den Artikel im Forbes-Magazin.

Passive Geldanlage / passives Investment-Management
 

Die passive Geldanlage ist eine Anlagestrategie, bei der der Portfoliomanager oder ein Fonds eine bestimmte Benchmark (in der Regel einen Index wie bspw. den DAX) möglichst exakt nachbildet.

Die Beliebtheit der Geldanlage über passive Instrumente ist seit den Siebziger Jahren exponentiell gewachsen und hat durch die Einführung von Indexfonds und Exchange-Traded Funds (ETFs) erneut an Auftrieb gewonnen. Mittlerweile können über Indexfonds und ETFs nicht nur die meisten globalen Aktienindizes abgebildet werden, sondern auch die Anlageklassen Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Passives Investment-Management ermöglicht es Anlegern, zu vergleichsweise geringen Kosten an der Rendite eines breit gestreuten und dadurch diversifizierten Index zu partizipieren. Die Kosten von Indexfonds/ETFs resultieren aus den Kosten, welche dem ETF-Anbieter entstehen, um den Index und die darin enthaltenen Wertpapiere in entsprechender Aufteilung nachzubilden.

Einige Investoren halten das Konzept der passiven Geldanlage für kontraintuitiv, da sie davon ausgehen, dass ein qualifizierter Portfoliomanager höhere Renditen als der Markt erwirtschaften kann. Die deutlich niedrigeren Kosten von Indexfonds/ETFs verglichen mit aktivem Fondsmanagement überwiegen in der Regel im Vergleich zu der geringen Wahrscheinlichkeit, dass ein Fondsmanager tatsächlich kontinuierlich seine Benchmark schlagen kann. Lesen Sie dazu auch die Studien von Vanguard und der Professoren Fama und French, sowie den Artikel im Forbes-Magazin.

Exchange-Traded Fund
 

Ein Exchange-Traded Fund ist ein an einer Börse gehandelter Indexfonds, der es Anlegern ermöglicht, kostengünstig an der Performance eines Marktindex (bspw. des DAX) zu partizipieren. Ein ETF bildet dabei den entsprechenden Index möglichst exakt nach.

Während bei Indexfonds die Preisstellung nur einmal täglich durch die Fondsgesellschaft erfolgt, können ETFs kontinuierlich und ohne Ausgabe- oder Rücknahmekommissionen an der Börse gehandelt werden. Ebenso wie Indexfonds gelten ETF rechtlich gesehen als Sondervermögen, im Konkursfall fällt das Geld also nicht in die Konkursmasse, sondern wird an den Anleger ausbezahlt.

Tracking Error
 

Mit dem Begriff Tracking Error bezeichnet man die Abweichung der Performance eines Indexfonds oder Exchange-Traded Fund (ETF) von der Performance des nachgebildeten Index. Indexfonds/ETFs versuchen stets, die Wertentwicklung des Index oder Wertpapierkorbes möglichst exakt nachzubilden, aufgrund der Komplexität mancher Indizes (bspw. umfasst der MSCI World über 1.600 Einzeltitel) oder mangelnder Liquidität der zugrundeliegenden Einzeltitel ist dies aber nicht immer zu 100 Prozent möglich.

Physisch replizierende ETFs
 

Als physisch replizierende ETFs (Exchange-Traded Funds) bezeichnet man Indexfonds, die einen Index nachbilden, indem entweder alle oder große Teile der in einem Index enthaltenen Einzelwerte (bspw. Aktien oder Anleihen) gemäß ihrer Gewichtung im Index gekauft werden.

Bei einer 100-prozentigen Nachbildung durch einen physisch replizierenden ETF spricht man auch von einer Vollreplikation, bei einer teilweisen Nachbildung von einer Teilreplikation (Sampling). Beim Sampling werden zur Nachbildung repräsentative Index-Titel ausgewählt. Bei der Optimierung werden Aktien mit der höchsten Korrelation zum Index eingesetzt. Diese müssen jedoch keine im Index enthaltenen Titel sein.

Neben physisch replizierenden ETFs gibt es auch synthetisch replizierende ETFs.

Synthetisch replizierende ETFs
 

Als synthetisch replizierende ETFs (Exchange-Traded Funds) bezeichnet man Indexfonds, die einen Index nachbilden, ohne die zugrundeliegenden Basiswerte des Index (bspw. Aktien) zu kaufen.

Synthetisch replizierende Aktien-Fonds stellen ihr Depot stattdessen aus einem bestimmten Wertpapierkorb (mindestens 90%) und einem (besicherten oder gar überbesicherten) Swap (max. 10%) zusammen. Ein derart konstruierter synthetisch replizierender ETF hält also einen Korb an Sicherheite (auch „Collateral“ genannt) statt der Einzelwerte des Index. Über den Swap (also ein Tauschgeschäft) mit einem Partner wird die Performance des Sicherheitenkorbs gegen die Wertentwicklung des eigentlich zugrunde liegenden Index getauscht.

Mit synthetischer Replikation können Fondsgesellschaften einen Index präziser nachbilden, also ohne oder mit deutlich weniger Tracking Error als bei so manchem physischen ETF. Außerdem lassen sich manche Indizes, bspw. auf Rohstoffe oder auf bestimmte Schwellenländer wie Indien, nur über synthetische ETFs abbilden, da die Basiswerte sich nicht ökonomisch sinnvoll kaufen oder lagern lassen. Ein Beispiel hierfür sind Öl und Erdgas.

Durch das Einbinden einer oder mehrerer Parteien im SWAP-Geschäft entsteht zusätzlich ein Kontrahentenrisiko (Ausfallrisiko) gegenüber dem Swap-Kontrahenten.

Neben synthetisch replizierenden ETFs gibt es auch physisch replizierende ETFs.

Glossar