Bits & Pieces
Edition #286 | 03.07.2026
Meistgehandelt | Märkte und Makro | Podcast | Kühlung | Chart der Woche | Goldene ETFs | Produkt-Highlight | Private Equity
Morgen, am 4. Juli, feiern die Vereinigten Staaten den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Anlass für uns, einen näheren Blick auf die US-Dominanz im Welt-Index zu werfen. Und während die USA sich auf eine große Feier mit BBQ und sprühendem Feuerwerk vorbereiten, hat Gold seinen Glanz verloren. Wir ordnen ein, warum das Edelmetall auch im Schatten des Allzeithochs glänzen kann. Außerdem: Wie Otto Börsen-Giganten à la Amazon die Stirn bietet und manche Aktien chillen.
Verkauft
Hinweis: Die Angaben beziehen sich auf das Verhältnis von Käufen und Verkäufen der 100 meistgehandelten Aktien im Scalable Broker zwischen dem 26.06.2026 und 03.07.2026.
Im Fokus:
Der Pharmariese Bayer kann vorerst aufatmen. Im US-Glyphosatstreit hat der DAX-Konzern Ende Juni einen wichtigen Etappensieg vor dem Supreme Court errungen. Das Urteil: Bayer kann nicht länger wegen fehlender Krebswarnungen auf den Verpackungen seiner Unkrautvernichter verklagt werden. Um die juristischen Altlasten weiter zu isolieren, plant der Konzern nun, das umstrittene US-Geschäft der Tochter Monsanto in die neue Gesellschaft Ruveon auszulagern. Der breite Markt reagierte positiv darauf.
Jetzt wird es teuer
Wegen des anstehenden 250. Independence Days bleibt die Wall Street am Freitag geschlossen. Für den europäischen Handel bedeutet das ab dem Nachmittag schlicht: weniger Stimulus aus den USA. Die US-Arbeitsmarktdaten wurden wegen des Feiertags vorgezogen. Nach einem robusten Plus von 172.000 Stellen im Mai erwartet der Konsens für Juni eine Abkühlung auf rund 100.000 bis 110.000 neue Jobs. Der Markt hofft auf ein „Goldilocks“-Szenario (abkühlend, aber keine Rezession), um Zinssenkungshoffnungen zu füttern.
Die Top-3-Unternehmensmeldungen
- Apple: Preisschock im laufenden Zyklus
Ohne Ankündigung oder Upgrades wurden die Preise für Macs, MacBooks und iPads um ca. 20 % angehoben. Der Grund: Extreme Kostenexplosion bei Speicherchips (NAND/DRAM), die im Einkauf teils das Vierfache kosten. Das frisst selbst Apples massive Bruttomargen auf. - Volkswagen: Radikaler Kahlschlag
Geplant sind der Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit und die Schließung von vier deutschen Werken. Zudem hat VW die milliardenschwere Kooperation für autonomes Fahren mit Bosch beendet. Überschattet wird dies vom fast zeitgleichen, überraschenden Rücktritt von Bosch-CEO Stefan Hartung. - Rheinmetall: Beruhigung an der Chartfront
Nach heftigen Verlusten hat sich der Kurs stabilisiert und notiert aktuell bei gut 1.070 €. Die Aktie bleibt auf der Watchlist. Die Schwäche bei Rüstungsaktien führte unter anderem auch dazu, dass der deutsch-französische Panzerbauer KNDS seinen geplanten Börsengang abgesagt hat.
Vom dicken Katalog zur E-Commerce-Größe: Mit 13,8 Mrd. € Umsatz behauptet sich die Otto Group gegen Giganten wie Amazon und aggressive Player wie Temu. Wie das funktioniert, verrät Finanz- und Personalvorständin Katy Roewer im Gespräch mit Christian W. Röhl. Außerdem: Warum KI-Agenten bald für uns shoppen und wie sich eine Karriere im Top-Management mit dem Familienleben vereinbaren lässt.
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Bro, chill
Extreme Sommerhitze bringt Rechenzentren an ihre physikalischen Grenzen. Weil herkömmliche Luftkühlung beim KI-Energiehunger versagt, rücken die Meister der Thermodynamik ins Rampenlicht. Vertiv Holdings ist globaler Marktführer für Flüssigkeitskühlung. Zuletzt verzeichnete das Unternehmen ein EPS-Wachstum von 136 % im Jahresvergleich und hob die Umsatzprognose für 2026 auf bis zu 14 Mrd. $ an, eine gesunde Korrektur von rund 15 %. Der Wettbewerber Modine Manufacturing ist ein ehemaliger Autozulieferer aus dem Midcap-Bereich und verkauft heute unter der Marke „Airedale“ gigantische Kühlsysteme für die Industrie – sogenannte Chiller. Die Gewinnerwartungen hat das Unternehmen zuletzt locker geschlagen; außerdem winkt ein frischer Vertrag über 4 Mrd. $ bis 2029 mit einem noch nicht genannten Tech-Giganten.
Fazit: Der Bedarf explodiert. Allein die Halbleiter-Riesen Samsung und SK Hynix investieren in Korea künftig 1,3 Mrd. $ in neue KI-Infrastruktur – ohne Hightech-Kühlung unmöglich.

Any man who is a bear on the future of the United States will always go broke
J. P. Morgan (1895)
Zum Geburtstag ein Klumpen
Gewichtungen im MSCI All Country World Index nach Region seit 1970

Quelle: J. P. Morgan, Michael Cembalest, Semiquincententacles, Juni 2026
Ein Vierteljahrtausend voller Geschichte, in dem die USA wirtschaftlich wie auch politisch eine nahezu unantastbare Position eingenommen haben. Im MSCI All Country World Index beispielsweise bilden die USA seit 1970 in der Regel das Fundament. Zwischenzeitlich, wie zum Beispiel in den 80er-Jahren, als Japan zur zweitgrößten Wirtschaft der Welt wurde, sackte das US-Gewicht zwar ab. Heute sind die USA im Index aber wieder mit einem Anteil von über 60 % vertreten. Diese aktuelle Dominanz ist vor allem ein Resultat des KI- und Tech-Booms. Inzwischen machen die zehn größten Werte sogar über 35 % der Marktkapitalisierung im heimischen S&P 500 aus.
Das Übergewicht der USA ist ein Spiegelbild des „American Exceptionalism“ – der Überzeugung, dass die USA aufgrund ihrer Geschichte und Werte eine einzigartige Sonderrolle in der Welt einnehmen. Exzeptionell ist auch der US-Anteil an den Unternehmensgewinnen rund um den Globus. Ein Beispiel liefert der KI-Vorreiter NVIDIA: Der Chip-Gigant wies im jüngsten Quartal einen operativen Gewinn von rund 58 Mrd. $ aus. Zum Vergleich: Siemens hat im gesamten Geschäftsjahr 2025 nach Steuern 10,4 Mrd. € verdient und führt seit Anfang 2026 den deutschen Leitindex DAX an. Das zeigt: An der US-amerikanischen Ertragsstärke führt an der Börse kaum ein Weg vorbei.
PS: Mit unserem Scalable MSCI AC World Xtrackers (Acc) ETF profitieren Sie von der weltweiten Wertschöpfung und der US-amerikanischen Exzellenz zu einer Gesamtkostenquote von nur 0,15 % im Jahr.
Gold im Windschatten
„Während die großen Leitindizes von einem Rekord zum nächsten jagen und Milliarden von US-Dollar in Tech-Titanen fließen, hat das älteste Asset der Welt seinen Glanz vorerst verloren. Seit dem Allzeithoch im Januar ist Gold um über 25 % eingebrochen und hat das schwächste Quartal seit 13 Jahren hingelegt. Aber wenn die Stimmung am Boden ist, ergeben sich antizyklische Gelegenheiten.
Um Zugang zur Wertentwicklung des goldenen Edelmetalls zu erhalten, muss es aber nicht zu Hause im Tresor gebunkert werden. Mit Exchange Traded Commodities (ETCs) wie dem Invesco Physical Gold gibt es eine Alternative. ETCs bilden die Preisentwicklung des Rohstoffs ab und sind physisch mit dem entsprechenden Edelmetall hinterlegt. Und mit einer währungsgesicherten Variante wie dem Xtrackers Physical Gold EUR Hedged ETC lassen sich Wechselkurseffekte verhindern. Diese Absicherung ist allerdings mit Opportunitätskosten verbunden: Während das Währungsrisiko ausgeschaltet wird, eliminiert man gleichzeitig die Chance, von einem starken US-Dollar zu profitieren.
Abseits der Feinunze bietet der Aktienmarkt einen weiteren Hebel: Goldminen. Je höher der Goldpreis klettert, desto attraktiver wird das Geschäft für sie. Der iShares Gold Producers UCITS ETF bündelt diese Goldschürfer in einem Portfolio. Einen regelmäßigen Cashflow gibt es on top beim Amundi Gold Miners UCITS ETF Dist. Hier landen die Dividenden von Bergbau-Unternehmen wie Newmont oder Barrick Mining direkt auf dem Konto.
Highspeed-Trading
Ausgerechnet die anfangs als zukunftsweisend geltende Blockchain-Technologie stieß bei hohem Handelsaufkommen an ihre Grenzen. Während des NFT-Hypes im Jahr 2021 beispielsweise waren die Netzwerke so stark überlastet, dass Nutzerinnen und Nutzer über ein Bietersystem sogenannte „Gas Fees“ zahlen mussten, damit die eigene Transaktion priorisiert und abgewickelt wird. Die damalige Regel: Wer mehr zahlte, wurde schneller abgewickelt – wer nicht zahlte, musste warten.
Genau hier setzt Hyperliquid an: eine Blockchain, die speziell als Plattform für den blitzschnellen und dezentralen Handel von Spot- und Derivate-Märkten gebaut wurde. Der Treibstoff dieses Ökosystems ist die Kryptowährung HYPE, die unter anderem für Transaktionsgebühren und Netzwerksicherheit eingesetzt wird und das Potenzial hat, die Blockchain-Infrastruktur auf das nächste Level zu heben.
Der schwedische Krypto-Spezialist Virtune hat mit dem erst im Frühjahr 2026 aufgelegten Virtune Hyperliquid ETP die Möglichkeit geschaffen, sich die Kryptowährung HYPE ins Depot zu holen. Mit diesem Exchange Traded Product lässt sich die Wertentwicklung dieses Tokens genauso unkompliziert handeln wie eine herkömmliche Aktie oder ein klassischer ETF. Dabei steht die Sicherheit im Vordergrund:
- Physische Sicherung: Das ETP ist vollständig durch das zugrunde liegende Krypto-Asset besichert.
- Offline-Verwahrung: Die Speicherung der Vermögenswerte erfolgt offline im Cold Storage über Coinbase und BitGo Custody – regulierte und vom Handelsplatz getrennte Krypto-Verwahrstellen.
- Unkomplizierter Zugang: Das ETP holt das Krypto-Asset aus der unregulierten Nische und macht es über traditionelle Handelsplätze zugänglich.
Zwischen Weltraum-Hype und KI-Pionieren
Die Börse schreibt derzeit Geschichte – getrieben vom gigantischen Hype um Werte wie SpaceX. Eine spannende Alternative ist es jedoch, bei vielversprechenden Unternehmen einzusteigen, noch bevor sie überhaupt an die Börse gehen. Wer direkt abseits der Börse investieren will, nutzt Vehikel wie den BlackRock Private Equity Fund. Zum einjährigen Jubiläum im Scalable Broker zeigt sich dieser gut aufgestellt: Da er erst 2025 aufgelegt wurde, schleppt er keine teuren Altlasten aus der Nullzinsphase mit. Statt in Kredite fließt das Geld rein in Firmenanteile.
Die bekanntesten Namen im derzeit zwölf Unternehmen umfassenden Portfolio dürften OpenAI und Anthropic sein. Die KI-Pioniere sind sozusagen Venture-Würze. Der Fokus liegt derweil auf etablierten Plattform-, Industrie- und Konsumgüter-Firmen wie Vinted, Stepstone, Carglass (Belron) oder Froneri (Speiseeis). Durch das Co-Investment-Modell investieren Privatanleger in dieselben Deals wie Institutionelle. Aufgrund der Sperrfrist von anfänglich zwei Jahren sowie der Rückgabebeschränkungen bleibt Private Equity jedoch ein langfristiges Investment – Unternehmensentwicklung braucht Zeit. Und falls das für Ihr Portfolio spannend ist: Für kurze Zeit gibt’s jetzt 1 % Bonus. Es gelten die Teilnahmebedingungen.
Höchste Zeit, vorzusorgen
In dieser Rubrik beantworten wir kurz und knapp Ihre wichtigsten Fragen rund ums Altersvorsorgedepot (AVD).
Warum ist das Altersvorsorgedepot ökonomisch notwendig und was ist seine Kernfunktion?
Das Altersvorsorgedepot ist die Antwort auf das gescheiterte Riester-System. Seine Kernfunktion: Renditeorientierung statt Garantiezwang. Während bei Riester durch die verpflichtende Beitragsgarantie viel Kapital in renditeschwache Anlagen fließen musste, erlaubt das AVD ein breiter angelegtes Investieren in den Kapitalmarkt und somit in renditestarke Anlagen (z.B. Aktien-ETFs). Erstmals wird so der direkte Vermögensaufbau am Kapitalmarkt aktiv staatlich gefördert – ohne Zwang zu teuren Versicherungsmänteln. Es ist der erste Schritt in Richtung einer nachhaltigen privaten Altersvorsorge, die den Kapitalmarkt als notwendige Säule begreift.
Redaktionsschluss: Freitag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX
