Bits & Pieces
„ETF Quarterly“

Neuheiten und Trends aus der Welt der ETFs | März 2024


Anleihen | Smart-Beta | Basisinvestment | Chart des Quartals

Wenn es an den Börsen kracht, werden defensive Strategien besonders angepriesen. Vielleicht ist Vorsicht aber gerade dann angebracht, wenn Aktienindizes wie der deutsche DAX und der US-amerikanische S&P 500 wie derzeit von einem Rekordhoch zum nächsten eilen.

Aus diesem Grund gibt es in dieser Ausgabe eine Portion Stabilität fürs Portfolio. Dafür schauen wir uns einen Aktien-ETF an, der weniger Schwankungen verspricht und insbesondere in Krisenzeiten besser performen soll als der breite Markt. Die Faktorprämie Low Volatility soll es möglich machen. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Ein weiterer Baustein, der in ausgewogenen Portfolios nicht fehlen sollte: Anleihen. Wir stellen Anleihen-ETFs vor, die breit streuen und trotzdem so transparent wie einzelne Schuldverschreibungen sind.

Außerdem geht es um den Brot-und-Butter-ETF unserer Kundinnen und Kunden: den iShares Core MSCI World. Auf keinen anderen ETF laufen im Scalable Broker annähernd so viele Sparpläne wie auf ihn. Wir erklären, warum ihm sein riesiges Volumen in den letzten Jahren eine Outperformance gegenüber dem MSCI World verschafft hat.


ANLEIHEN

Gebündelte Bonds

Womit lässt sich ein aktienlastiges Portfolio diversifizieren? Gut geeignet sind zum Beispiel Anleihen (Bonds), denn sie weisen eine niedrige Korrelation mit Aktien auf. Das heißt, wenn Aktienkurse fallen, fallen die Kurse der Anleihen nicht unbedingt mit. So puffern sie das ständige Auf und Ab an den weltweiten Aktienbörsen etwas ab.

Wer sein Depot jedoch mit einzelnen Anleihen ergänzt, bürdet sich ein hohes Ausfallrisiko auf. Eine mögliche Lösung: ETFs. Mit Anleihen-ETFs streuen Sie Ihr Risiko über eine Vielzahl von Anleiheemittenten.

Außerdem wichtig: Klassische Anleihen-ETFs rollieren. Das heißt, wann immer eine Anleihe ausläuft beziehungsweise die Restlaufzeit unterschreitet, die der ETF abbildet, wird sie verkauft und ersetzt. Das gewährleistet Stabilität, hat aber den Nachteil, dass die Planbarkeit der Erträge verloren geht. Bei einzelnen Anleihen steht nämlich fest, wie hoch die jährlichen Zinszahlungen sind und wann das geliehene Geld in voller Höhe zurückgezahlt wird.

Geht auch Planbarkeit und Streuung? Spezielle Anleihen-ETFs wie der Xtrackers II Target Maturity Sept 2033 EUR Corporate Bond UCITS ETF 1D bündeln eine Vielzahl an Anleihen, die zu einem ähnlichen Zeitpunkt auslaufen. Beim genannten ETF sind das beispielsweise 118 auf Euro lautende Papiere von Unternehmen mit höchster Bonität, die zwischen Oktober 2032 und September 2033 auslaufen. So streuen Sie Ihr Risiko und wissen, wann Sie Ihr Geld zurückbekommen. Außerdem erhalten Sie jährliche Zinszahlungen aus dem ETF – die Rendite beträgt derzeit 3,7 Prozent.

Sie wollen nicht bis 2033 auf das Geld verzichten – zum Beispiel, weil Sie planen, in ein paar Jahren ein Haus zu kaufen? Xtrackers bietet auch Schwesterprodukte mit variierenden Renditen an, die bereits 2031, 2029 oder 2027 auslaufen. Und falls Sie früher an das Geld kommen müssen, können Sie das Produkt wie bei ETFs üblich auch vorzeitig über die Börse verkaufen.

Xtrackers II Target Maturity Sept 2033 EUR Corporate Bond UCITS ETF 1D
Anlageklasse: Anleihen
ISIN: LU2673523564
Replikationsmethode: physisch
Ertragsverwendung: ausschüttend
Gesamtkosten (TER): 0,12 %
Größte Positionen: France-Telecom-Anleihe: 2,4 %, Morgan-Stanley-Anleihe: 2,3 %, ING-Bank-Anleihe: 1,8 %
Stand: 22.03.2024


SMART-BETA

Stabil investieren

Weniger Schwankungen und gleichzeitig eine höhere erwartete Rendite? Das ist das Versprechen der Low-Volatility-Prämie, die bereits seit ungefähr 80 Jahren an den Aktienmärkten beobachtet werden kann. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Faktor-Prämie (auch Smart-Beta genannt). Mit derartigen Faktoren soll sich im Vergleich zu einem marktneutralen Ansatz eine Überrendite erzielen lassen.

Wie kommt die Low-Volatility-Prämie zustande? Eine mögliche Erklärung ist, dass aktiv Investierende vorrangig in risikoreiche Titel mit hohen Schwankungen investieren, um ihren Markt zu schlagen – also besser als ihr Vergleichsindex abzuschneiden. Schwach schwankende Aktien weichen nicht genug von der Indexentwicklung ab, um eine potenzielle Mehrrendite zu erreichen. Sie werden deshalb seltener nachgefragt und sinken im Preis, weshalb ihre erwartete Rendite steigt.

Wie hat Low-Volatility zuletzt performt? Im US-amerikanischen Leitindex S&P 500 ließ sich zuletzt selten eine Überrendite mit niedrigen Schwankungen erzielen. Verantwortlich dafür war der Boom der stärker schwankenden Tech-Titel, die den Index zogen. Im Krisenjahr 2022 konnte der Index S&P High Dividend Low Volatility seinen Mutterindex, den marktneutralen S&P 500, jedoch schlagen. Anlegende erhielten in den letzten fünf Jahren außerdem Dividendenzahlungen von durchschnittlich 3,9 Prozent pro Jahr.

Weshalb performte der Index gerade in der Krise? Die Sektoren Immobilien (17,8%), Versorger (17,2%) und Basiskonsumgüter (13,4%) machen fast die Hälfte des 50 Aktien umfassenden Index aus. Geschäfte mit diesen nicht-zyklischen Gütern sind vergleichsweise krisenfest, da Menschen nicht auf Wohnen, Strom und Wasser sowie Nahrung verzichten können beziehungsweise wollen.

Invesco S&P 500 High Dividend Low Volatility UCITS ETF Dist
Anlageklasse: Aktien
ISIN: IE00BWTN6Y99
Replikationsmethode: physisch
Ertragsverwendung: ausschüttend
Gesamtkosten (TER): 0,30 %
Größte Positionen: Altria: 3,2 %, Verizon Communications: 2,8 %, AT&T: 2,8 %
(Stand: 25.03.2024)


BASISINVESTMENT

Big is beautiful

Können 70 Milliarden US-Dollar lügen? So hoch war Ende Februar das Fondsvermögen der thesaurierenden Anteilsklasse des iShares Core MSCI World UCITS ETF. Gemessen am Volumen handelt es sich um den zweitgrößten ETF, der in Deutschland angeboten wird.

MSCI-World-ETFs sind heute das, was früher Sparbücher waren – populäre Sparprodukte. Ein ETF auf den Index MSCI World stellt für viele Anlegende mittlerweile die Basis ihrer Portfolios dar – weitere Investment-Ideen lassen sich leicht ergänzen.

Was sollte man über den MSCI World wissen? Anders als der Name vermuten lässt, bildet er nicht die ganze Welt der Aktien ab. Anteile von kleinen Unternehmen (Small Caps) und Aktien aus Schwellenländern wie China, Brasilien oder Taiwan sind nicht enthalten. Auch die Heimat des Smartphone-Herstellers Samsung, Südkorea, genügt den MSCI-Anforderungen an Industrienationen nicht.

Was steckt stattdessen im MSCI World? Ganz viel USA. Der Index enthält zwar Aktien von großen und mittelgroßen Unternehmen aus 23 Industrieländern, besteht aber derzeit zu ungefähr 70 Prozent aus US-Titeln. Ist das ein Problem? Der Index ist nach Marktkapitalisierung gewichtet, was bedeutet, dass Unternehmen mit einem höheren Börsenwert stärker in ihm vertreten sind. Insofern spiegelt der Index nur die Gegebenheiten an den weltweiten Finanzmärkten wider. Außerdem handelt es sich bei Indexschwergewichten wie Apple, Microsoft oder Nvidia um Konzerne mit internationaler Ausrichtung, die lediglich ihren Hauptsitz in den USA haben.

Gibt es Performance-Unterschiede bei ETFs auf den MSCI World? Die sogenannte Tracking Difference zeigt auf, wie gut ein ETF seinen Index nachbildet. Der iShares Core MSCI World UCITS ETF zum Beispiel konnte die Wertentwicklung des MSCI World in den letzten fünf Jahren um 0,09 Prozentpunkte pro Jahr übertreffen. Dies erreichen ETF-Anbieter beispielsweise, indem sie die im ETF enthaltenen Aktien verleihen. Ein hohes Volumen ist dabei von Vorteil.

iShares Core MSCI World UCITS ETF
Anlageklasse: Aktien
ISIN: IE00B4L5Y983
Replikationsmethode: physisch
Ertragsverwendung: thesaurierend
Gesamtkosten (TER): 0,20 %
Größte Positionen: Microsoft: 4,7 %, Apple: 3,9 %, Nvidia: 3,6 %
(Stand: 22.03.2024)



Thesaurierende ETFs

Was geschieht mit Dividenden und Zinserträgen, die in einem ETF anfallen? Das unterscheidet sich danach, ob man einen thesaurierenden oder einen ausschüttenden ETF im Depot hat. Ausschüttende ETFs zahlen die Erträge regelmäßig aus. Sie fließen beispielsweise alle zwölf Monate oder quartalsweise aufs Verrechnungskonto. Bei thesaurierenden Produkten hingegen werden Dividenden oder Zinsen gemäß der Indexzusammensetzung automatisch in neue Wertpapiere reinvestiert. Thesaurierende ETFs lassen sich oft am Namenszusatz „Accumulating“ oder „Acc“ erkennen. Die Ertragsverwendung ist aber auch in den Eckdaten jedes ETFs im Scalable Broker aufgeführt.


CHART DES QUARTALS

Weltweite jährliche Nettomittelzuflüsse in ETFs in Milliarden US-Dollar

QuartDesQuartals ETFQuarterly Q1:24

Quelle: Trackinsight – The Global ETF Survey 2024

ETFs auf der Gewinnerstraße

Lange sah es aus, als würde 2023 ein schlechtes Börsenjahr werden. Erst im letzten Quartal setzte dann eine Aktienrally ein, die – abgesehen von kurzfristigen Rücksetzern – noch immer anhält. ETF-Anlegende ließen sich von den Stimmungsschwankungen an den Börsen nicht beirren. 2023 flossen weltweit netto 837 Milliarden US-Dollar neu in ETFs. Es war nach dem Boomjahr 2021 das zweiterfolgreichste Jahr für die Anlageinstrumente.

Wird es im laufenden Jahr so weitergehen? Aktuelle Zahlen aus dem Bericht „Global ETP Flows“ der Investmentgesellschaft BlackRock deuten darauf hin. Im Januar und Februar flossen demnach weltweit netto insgesamt bereits mehr als 217 Milliarden US-Dollar in ETFs – der Großteil davon in Aktien-ETFs.

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