Bits & Pieces
„ETF Quarterly“
Neuheiten und Trends aus der Welt der ETFs | März 2026
Gold | Europas Verteidigung | Europäische Energie | Produkt-Highlight
„Wir waren mal Stars“ ist nicht nur ein legendärer Kult-Song des Deutschrappers Torch aus den frühen 2000ern, der Satz dürfte derzeit auch häufig voller Wehmut in Berlin, Paris und Rom erklingen. Europa scheint seine besten Tage hinter sich zu haben. Doch angesichts geopolitischer Bedrohungen, die immer näher an Kerneuropa heranrücken, hat sich der alte Kontinent vorgenommen, verteidigungspolitisch und wirtschaftlich noch einmal fit zu werden.
Ob dieser Turnaround gelingt? Wir stellen Ihnen in dieser Ausgabe drei ETFs vor, die ihre Stärken in genau solchen Krisenzeiten eigentlich voll ausspielen sollten – und einen, der voller Optimismus auf die Megatrends der Zukunft blickt. Und wieso auch nicht? Selbst dem melancholischen Torch-Song gelang schließlich ein fulminantes Comeback, als die Rap-Gruppe K.I.Z. ihn 2006 zu „Wir werden jetzt Stars“ umdichtete – nur ein Jahr vor ihrem ganz großen Durchbruch. Vielleicht sollte sich die EU ein Vorbild daran nehmen.
Verkehrte Welt?
Eigentlich gilt Gold als der sichere Hafen in Krisenzeiten. Doch der jüngste Preissturz des Edelmetalls – ausgerechnet inmitten der geopolitischen Eskalation im Nahen Osten – hat viele Goldbugs auf dem falschen Fuß erwischt. Statt als Krisenschutz zu glänzen, wurde Gold hart abgestraft. Wer antizyklisch investiert, wittert in diesem Rücksetzer jedoch womöglich attraktive Einstiegskurse.
Dabei ist Gold direkt zu kaufen nicht der einzige Weg, um an der Wertentwicklung des Edelmetalls teilzuhaben. Mit Goldminen-Aktien gibt es eine indirekte Alternative. Hier kommt der iShares Gold Producers ins Spiel. Dieser ETF investiert nicht direkt in Barren, sondern in Unternehmen, die das Gold aus der Erde holen. Die Besonderheit: Goldproduzenten fungieren oft wie ein natürlicher Hebel auf den Goldpreis. Steigt das Edelmetall im Wert, steigen bei stabilen Förderkosten oft auch die Gewinnmargen der Minenbetreiber – das Geschäft wird automatisch profitabler.
In der Theorie bedeutet das: Geht der Goldpreis hoch, ziehen die Produzenten überproportional an. Allerdings kann dieser Hebel auch in die andere Richtung ausschlagen, weshalb Nerven aus Stahl – oder eben aus Gold – gefragt sind.
iShares Gold Producers UCITS ETF USD (Acc)
Anlageklasse: |
Aktien |
ISIN: |
IE00B6R52036 |
Replikationsmethode: |
physisch |
Ertragsverwendung: |
thesaurierend |
Gesamtkosten (TER): |
0,55 % |
Größte Positionen: |
|
Das Ende der Zuschauerrolle
Erst unmittelbar bevor die ersten Bomben auf den Iran fielen, wurden die europäischen Staatschefs über den Einsatz informiert – angeblich waren die Flieger zu dem Zeitpunkt bereits in der Luft. Noch schlimmer: Wäre es nach dem Weißen Haus gegangen, hätten Merz, Macron und Meloni aus den Medien davon erfahren müssen. Die israelische Regierung war es, die Europa kurz vor knapp noch ins Bild setzte.
Fest steht: Die EU und die europäischen Staaten sind bei geopolitischen Großereignissen zum Zuschauen verdammt – egal, um welchen Krisenherd es geht. Doch der alte Kontinent will seine weltpolitische Bedeutungslosigkeit nicht hinnehmen und steuert mittlerweile gegen. Ein Beispiel dafür: Die Bundeswehr will bis 2029 ein Netz aus mindestens 100 Satelliten im Orbit haben, über das Panzer, Schiffe sowie Soldatinnen und Soldaten koordiniert werden können. Für das Mini-Starlink „Made in Germany“ haben sich Rheinmetall, Airbus und der deutsche Satellitenbauer OHB zusammengeschlossen. Der Auftragswert wird auf bis zu 10 Mrd. € geschätzt.
In den kommenden Jahren dürften die EU-Verteidigungsausgaben weiter steigen: Wenn die Mitgliedsländer in zehn Jahren wie geplant 3,5 % ihrer Wirtschaftskraft für Militär und Sicherheit ausgeben, wären das laut Europäischer Verteidigungsagentur rund 635 Mrd. € – fast doppelt so viel wie im Jahre 2024. Wer an Europas neuer Wehrhaftigkeit teilhaben möchte, holt sich mit dem Xtrackers Europe Defence Technologies große europäische Rüstungswerte wie BAE Systems, Thales, Rheinmetall und Leonardo ins Depot. Zudem sind auch Luftfahrtunternehmen wie Airbus oder die Triebwerkshersteller Rolls-Royce, Safran und MTU im ETF enthalten.
Xtrackers Europe Defence Technologies UCITS ETF 1C
Anlageklasse: |
Aktien |
ISIN: |
LU3061478973 |
Replikationsmethode: |
physisch |
Ertragsverwendung: |
thesaurierend |
Gesamtkosten (TER): |
0,25 % |
Größte Positionen: |
|
Das Beste aus zwei Welten
Die Bomben am Persischen Golf lassen auch den europäischen Energiemarkt erbeben. An den Zapfsäulen geht der Spritpreis durch die Decke und die heimische Industrie – die ohnehin schon um ihre Wettbewerbsfähigkeit bangt – gerät noch stärker unter Druck. Doch der Angebotsschock hat auch eine andere Seite: Während energieintensive Branchen unter den steigenden Kosten ächzen, klingeln woanders die Kassen.
Europas Öl- und Gasgiganten gehören zu den direkten Profiteuren der geopolitischen Krise. Jeder Dollar mehr pro Ölfass spült ihnen zusätzliche Gewinne in die ohnehin schon prall gefüllten Bilanzen. Gleichzeitig spielen Konzerne wie Shell oder Eni eine entscheidende Rolle für Europas kurzfristige Versorgungssicherheit: Sie sind es, die das dringend benötigte Flüssiggas (LNG) auf den Weltmärkten einkaufen, um Engpässe abzufedern.
Langfristig gibt es allerdings auch einen anderen Weg, um sich gegen solche Preisschocks zu wappnen: Erneuerbare Energien. Wer ihren Ausbau meistert, kann teure fossile Rohstoffe teilweise durch Wind- und Solarstrom ersetzen. Und genau hier schließt sich der Kreis: Während die Öl-Multis ihre Milliardengewinne nutzen können, um die eigene grüne Transformation im Eiltempo zu finanzieren, profitieren beispielsweise auch Energietechnik-Konzerne wie Siemens Energy und Windkraft-Spezialisten wie Vestas von dieser neuen Phase der europäischen Energiewende.
Der Amundi STOXX Europe 600 Energy Screened bündelt die fossilen Energiekonzerne mit den Technologieführern bei den Erneuerbaren in einem Produkt. Die Besonderheit: Ein ESG-Filter sortiert die besonders schmutzigen Titel aus. Die Nebenwirkung: Mit derzeit nur 20 enthaltenen Werten ist der ETF stark konzentriert – das Schwergewicht Shell kommt allein bereits auf knapp 30 %.
Amundi STOXX Europe 600 Energy Screened UCITS ETF Acc
Anlageklasse: |
Aktien |
ISIN: |
LU1834988278 |
Replikationsmethode: |
physisch |
Ertragsverwendung: |
thesaurierend |
Laufende Gebühren: |
0,30 % |
Größte Positionen: |
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Einer für alle
Mit knapp 500 Mio. € Fondsvolumen steht unser Scalable MSCI AC World Xtrackers kurz davor, den nächsten großen Meilenstein zu knacken. Und auch bei der Performance liefert der Welt-ETF ab: Stand 20. März 2026 hat er seinen Index um 0,34 Prozentpunkte übertroffen. Wie das klappt? Unter anderem durch eine innovative hybride Replikation: Wo es beispielsweise steuerliche Vorteile bringt, setzt der ETF auf eine synthetische Abbildung, ansonsten auf eine physische. So erhalten Sie ein global diversifiziertes Produkt, das einen echten strukturellen Renditevorteil ermöglicht.
Noch bis Juni dieses Jahres ist die Gesamtkostenquote (TER) des ETF auf 0 % p. a. reduziert. Ab dem 11. Juni fällt wieder die reguläre TER von günstigen 0,17 % pro Jahr an. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Produktseite von Xtrackers.
Was die Welt bewegt
Tech-Giganten wie NVIDIA gaben 2025 mit ihren Hochleistungschips auf dem Börsenparkett den Ton an und sorgten bei Anlegenden für hohe Renditen. Die Unsicherheit darüber, wann sich die in Summe billionenschweren Investitionen rechnen, drückt zwar aktuell auf die Kurse der KI-Highflyer, doch die nächste Welle baut sich bereits auf: OpenAI – das Unternehmen hinter ChatGPT – strebt dieses Jahr an die Börse. Der immense Hunger nach Rechenleistung zeigt: Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben.
Derweil wird auf dem Asphalt die Luft dünner – zumindest für den klassischen Verbrenner. Während deutsche Traditionskonzerne wie Volkswagen, Mercedes oder BMW mit mauen Absätzen und schrumpfenden Margen kämpfen, stottert der Motor vor allem auf dem Schlüsselmarkt China. Dort sind inländische Hersteller auf der Überholspur: E-Auto-Bauer wie BYD oder der Tech-Riese Xiaomi bieten mindestens vergleichbare Qualität zu deutlich günstigeren Preisen und definieren damit den globalen EV-Markt neu.
Der WisdomTree Megatrends UCITS ETF bündelt solche strukturellen Verschiebungen in einem einzigen Produkt. Der ETF deckt mit über 800 Aktien aus 39 Ländern insgesamt 18 verschiedene Megatrends ab – von Künstlicher Intelligenz und Robotik über die globale Energiewende bis hin zum demographischen Wandel. So lässt sich das, was die Welt nachhaltig bewegt, bequem ins Depot holen.
2025 Revue passieren lassen
justETF hat seinen ETF-Report 2026 herausgebracht. Erfahren Sie, was 2025 besonders gut lief und welche Trends in diesem Jahr in den Fokus rücken könnten.
Redaktionsschluss: Donnerstag, 7 Uhr
Quellen: Scalable und dpa-AFX

