Frankfurter Allegemeine Zeitung

Scalable Capital erhält 50 Millionen Euro

Digitaler Vermögensverwalter schließt Finanzierungsrunde erfolgreich ab

FRANKFURT, 22. Juli 2020

Deutschlands führender digitaler Vermögensverwalter Scalable Capital hat eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro abgeschlossen. Das teilte Gründer und Geschäftsführer Erik Podzuweit im Gespräch mit der F.A.Z. mit. "Wir empfinden es als Auszeichnung, dass uns im April, als insbesondere Finanzierungen für Start-ups eingefroren wurden, das gelungen ist", sagte er. Es handelt sich nach seinen Angaben um die bislang größte Finanzierungsrunde von Scalable Capital. Damit kommt der auf die automatisierte Geldanlage spezialisierte Vermögensverwalter auf ein Eigenkapital von 116 Millionen Euro.

Als besonders erfreulich wertet Podzuweit die Beteiligung der Investoren Blackrock, Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures, die etwas mehr als 20 Millionen beigetragen haben. "Die restlichen knapp 30 Millionen Euro kommen von einem neuen Investor, der sich schon länger auf junge Unternehmen aus dem Bereich der Finanztechnologie spezialisiert hat", berichtet der Scalable-Gründer, der sich aber hinsichtlich des Namens noch bedeckt hält. Dieser will offenbar nicht vor der Eintragung im Handelsregister öffentlich in Erscheinung treten.

Größter Anteilseigner von Scalable, die für 80 000 Kunden Gelder von 2,2 Milliarden Euro verwaltet, bleibt der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock mit einem Drittel der Anteile. Scalable stellt in Abhängigkeit von der Risikoneigung des Kunden über Algorithmen ein Portfolio zusammen, das sich aus börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds; ETF) zusammensetzt. Blackrock ist wiederum der größte ETF-Anbieter der Welt. Die drei anderen Investoren, also Holtzbrinck, Tengelmann sowie der neue Anteilseigner, werden zusammen ebenfalls auf ein Drittel kommen. Auf Holtzbrinck allein dürften rund 20 Prozent entfallen. Nach Aussage von Podzuweit ist Scalable Capital in der Finanzierungsrunde mit 400 Millionen Euro bewertet worden.

Immer wichtiger als Umsatzsäule wird seinen Angaben zufolge das Geschäft für Dritte, denen Scalable Anlageroboter als sogenannte White-Label-Lösung bereitstellt. Die Anlageplattform trägt nach außen den Namen des Partners. Scalable hat als Kunden schon Siemens, ING, die Targobank, die österreichische Bankengruppe Raiffeisen, die spanische Online-Bank von Santander, Gerd Kommer Capital und zuletzt Barclays gewonnen. "Dieser Bereich steuert mehr als die Hälfte zum Umsatz bei", sagt Podzuweit.

Als dritter Bereich kommt der Online-Broker hinzu, der den Kunden als Erster in Deutschland eine monatliche Flatrate für Wertpapiergeschäfte anbietet. Wenn sich der Kunde für zwölf Monate an den Broker von Scalable bindet, zahlt er eine monatliche Gebühr von 2,99 Euro und kann dafür so viel handeln und ETF-Sparpläne abschließen, wie er will.

In den vergangenen zwei Jahren habe sich der Umsatz von Scalable verachtfacht. Im vergangenen Jahr waren es 8,5 Millionen Euro. Ein Börsengang liegt für Podzuweit noch in weiter Ferne, stellt aber ein tolles Ziel dar. Er hält diesen aber noch nicht für nötig. Gegenwärtig gebe es auch privat ausreichend Mittel, um das Wachstum zu finanzieren.

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