Ordertypen einfach erklärt: So handeln Sie an der Börse

6. August 2020  |  Nicolas Zeitler
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Gewinne realisieren, Verluste begrenzen, auf einen Aufwärtstrend aufspringen: Wer die verschiedenen Ordertypen gekonnt einsetzt, erleichtert sich die Depotverwaltung und kann zu attraktiveren Kursen handeln. Wir zeigen in Illustrationen und Erläuterungen, wie’s geht.

Einfach ein Ordervolumen einzutippen und auf „Kaufen“ oder „Verkaufen“ zu drücken, ist beim Wertpapierhandel selten die beste Option. Anleger handeln mit solchen Markt-Orders zwar schnell, aber kaufen womöglich zu teuer oder verkaufen zu günstig. Das lässt sich mit speziellen Ordertypen verhindern. Andere helfen dabei, das Depot zu überwachen und zu steuern.

Markt-Order

Der einfachste Ordertyp: Er wird während der Handelszeiten zum bestmöglichen, also dem nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Eine Markt-Order ist gültig an dem Handelstag, an dem sie erteilt wird.

Sinnvoll, um...

  • zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu handeln.

Beachten sollten Anleger, dass...

  • sie mit einer Markt-Order ungeschützt sind gegenüber plötzlichen Preissprüngen. Gerade bei selten gehandelten Wertpapieren oder in Stressphasen kann sich der Preis zwischen Orderaufgabe und Ausführung stark verändern. Man kauft dann oft teurer oder verkauft billiger als gewünscht.

Limit-Order

Mit einer Limit-Order handeln Anleger innerhalb einer selbst gesetzten Grenze: Sie kaufen ein Wertpapier höchstens zum per Limit festgelegten Preis. Oder sie verkaufen mindestens zum Limit-Preis.

Limit-Order

Sinnvoll, um...

  • sich gegen kurzfristige Preissprünge abzusichern: Man kauft nicht teurer oder verkauft nicht günstiger als gewünscht.
  • in einem Aufwärtstrend bei Erreichen eines Kurses über dem aktuellen automatisch zu verkaufen und Gewinne zu realisieren (Verkaufen mit Limit).
  • erst einzusteigen, wenn der Kurs eines Wertpapiers wieder unter den derzeitigen fällt (Kaufen mit Limit).

Beachten sollten Anleger, dass...

  • eine Limit-Order während ihrer Gültigkeit (abhängig vom Broker, zum Beispiel 360 Tage) möglicherweise nur teilweise oder gar nicht ausgeführt wird, weil der Kurs nie innerhalb des Limits liegt.
  • eine Limit-Order unter Umständen sofort ausgeführt wird, wenn der Limit-Preis zum Order-Zeitpunkt bei einem Kaufauftrag oberhalb und bei einem Verkaufsauftrag unterhalb des aktuellen Kurses liegt.

Stop-Order

Mit einer Stop-Order geben Anleger eine bedingte Markt-Order auf: Diese wird erst aktiv, wenn ein bestimmter Preis erreicht wird. Sie kaufen also teurer beziehungsweise verkaufen günstiger als zu dem Kurs zum Zeitpunkt der Orderaufgabe. Das erscheint zunächst widersinnig, kann aber bestimmte Handelsstrategien unterstützen. Ein Kaufauftrag mit Stop wird als Stop-Buy- oder auch Start-Buy-Order bezeichnet, ein Verkaufsauftrag mit Stop in der Regel als Stop-Loss-Order.

Stop-Order

Sinnvoll, um...

  • per Kauf in einen Aufwärtstrend einzusteigen. Wer ein Wertpapier über längere Zeit beobachtet, das sich zunächst kaum von der Stelle bewegt, kann dieses per Stop-Order dann kaufen, wenn es einen bestimmten Kurs erreicht
  • per Verkauf Verluste zu begrenzen oder Buchgewinne abzusichern. Steigt der Preis eines Wertpapiers weiter, bleibt der Anleger investiert. Fällt der Kurs innerhalb der Gültigkeit der Order (abhängig vom Broker, zum Beispiel 360 Tage) auf den festgelegten Stop-Preis, wird der Verkauf ausgelöst. Wer ein Wertpapier über längere Zeit hält und mit dessen Kursanstieg immer wieder Verkaufsorders mit Stop knapp unter dem aktuellen Kurs erteilt, sichert so einen Teil der erzielten Buchgewinne ab.

Beachten sollten Anleger, dass...

  • eine Stop-Order zur Markt-Order und somit unter Umständen sofort ausgeführt wird, wenn sie die Schwelle versehentlich auf der falschen Seite des aktuellen Preises setzen – also bei einem Kauf die Stop-Buy-Schwelle unterhalb oder bei einem Verkauf die Stop-Loss-Schwelle oberhalb des aktuellen Preises.
  • eine Stop-Order möglicherweise nicht vollständig oder gar nicht ausgeführt wird, wenn der Stop-Preis während ihrer Gültigkeit nicht erreicht wird.
  • die Order erst bei Erreichen des Stop-Preises in das Orderbuch aufgenommen wird. Das bedeutet, sie wird nicht exakt zum Stop-Preis ausgeführt, sondern zum nächsten Preis. Für eine Stop-Loss-Order beispielsweise heißt das: Bei einem schnellen Kursrutsch kann der Preis, zu dem der Anleger verkauft, schon deutlich unter dem Stop-Preis liegen.

Stop-Limit-Order

Bei dieser Orderart werden die beiden zuvor beschriebenen kombiniert. Das heißt…

  • für einen Kauf: Bei Erreichen des Stop-Preises (über dem aktuellen Preis) wird die Order als Limit-Order platziert, soll also maximal zum angegebenen Limit ausgeführt werden.
  • für einen Verkauf: Bei Erreichen des Stop-Preises (unter dem aktuellen Preis) wird die Order als Limit-Order platziert, soll also mindestens zum oder über dem vorgegebenen Limit ausgeführt werden.
Stop-Limit-Order

Sinnvoll, um...

  • per Kauf in einen Aufwärtstrend einzusteigen, aber nicht um jeden Preis.
  • per Verkauf bei einem Abwärtstrend Verluste zu begrenzen und sich dabei gegen weitere Kurssprünge nach unten zu wappnen.

Beachten sollten Anleger, dass...

  • sie durch die Kombination bei sehr stark steigenden Kursen womöglich gar nicht ein- und bei sehr stark fallenden womöglich gar nicht aussteigen. Überspringt der Kurs seit Ordererteilung sowohl den Stop-Preis als auch das Limit und bleibt während der Gültigkeit der Order jenseits des Limits, wird diese nicht ausgeführt.

Ausführung nicht immer exakt zum festgelegten Preis

Wissen sollte jeder, der souverän mit den verschiedenen Ordertypen agieren will:

  • Eine Order wird nicht unbedingt exakt zum vorgegebenen Preis ausgeführt. Eine Stop-Order für einen Kauf zum Beispiel wird mit Erreichen des Stop-Preises zur Markt-Order und somit zum nächsten Preis ausgeführt. In stark volatilen Märkten kann dieser deutlich über dem Stop-Preis liegen. Vor unerwünschten Preissprüngen schützt ein zusätzliches Limit.
  • Stops oder Limits zu eng am aktuellen Kurs können vorschnell Trades auslösen, die der Anleger so nicht beabsichtigt hatte. Ein Stop-Loss sehr knapp unter dem Preis bei Orderaufgabe beispielsweise kann dazu führen, dass schon ein kleiner Rücksetzer zum Verkauf führt – obwohl der Aufwärtstrend danach womöglich weitergeht. Wer daran weiter teilhaben will, muss erst wieder einsteigen und verpasst bei einem schnell steigenden Kurs einen Teil der Rally.
  • Bei einem Kaufauftrag ist für den Anleger der Briefkurs, auf Englisch Ask, beim Verkauf der Geldkurs, auf Englisch Bid, maßgeblich.
Bild: Lisheng Chang, unsplash.com

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Nicolas Zeitler
Financial Editor
Nicolas ist Redakteur mit den Themenschwerpunkten Finanzen und Digitales. Zuletzt leitete er die Finanzredaktion beim Vergleichsportal Check24. Erste journalistische Sporen verdiente er sich beim Münchner Merkur. Anschließend arbeitete er für das IT-Wirtschaftsmagazin CIO und die Agenturen Grasundsterne und Fischerappelt. Nicolas hat Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert.