Wie sich ein langer Atem bei der Geldanlage auszahlt

12 April 2019  |  Nicolas Zeitler
langer atem
Das Auf und Ab an den Börsen ist für viele Grund, nicht in den Aktienmarkt zu investieren. Doch auf lange Sicht ist übergroße Angst unbegründet. Fast 150 Jahre US-Börsengeschichte zeigen beispielhaft: Wer sein Geld über 20 Jahre breit in Aktien angelegt hat, musste nie einen Verlust hinnehmen.

Anlagen in Aktien oder Fonds sind viel zu riskant – wer sein Geld vom Kapitalmarkt fernhält, der führt am häufigsten dieses Argument als Grund an. Und kann dabei derzeit leicht auf das turbulente Börsenjahr 2018 verweisen, in dem beispielsweise der DAX 18 Prozent an Wert verlor. Betrachtet man die Wertentwicklung von Indizes allerdings über längere Zeiträume, erweist sich die Angst vor drastischen Verlusten als weitgehend unbegründet. Eine bis 1871 zurückreichende Auswertung des US-Aktienmarkts zeigt, dass Anleger nie einen Verlust gemacht haben, wenn sie ihr Investment über 20 Jahre gehalten haben.

Der Index S&P 500, der die Wertentwicklung der 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA abbildet, hat 2018 ebenso wie der DAX mit einem Minus abgeschlossen. Dieses fiel am US-Aktienmarkt allerdings deutlich geringer aus. In den zurückliegenden Jahren mussten Anleger hier auch schon stärkere Verluste verkraften, im Krisenjahr 2008 etwa in US-Dollar nach Inflation fast 39 Prozent. Doch je länger ein Anleger sein Geld investiert, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er einen Wertverlust erleidet. Das zeigt unsere Übersicht über unterschiedliche Anlagezeiträume für den S&P 500, die an eine Darstellung auf dem kanadischen Blog Visual Capitalist angelehnt ist. Grundlage sind Daten des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Shiller, der den Index bis 1871 zurückgerechnet hat. Dividenden und Inflation sind jeweils berücksichtigt.

Eine längere Haltedauer dämpft die Ausschläge ab

Unser Schaubild zeigt in Form von Balkendiagrammen, welche Rendite ein Anleger bis zum Ende des jeweiligen Jahres im Schnitt jährlich in US-Dollar erwirtschaftet hat, wenn er über ein, fünf, zehn oder 20 Jahre in den S&P 500 investiert hat. Bei einer kurzen Anlagedauer von einem Jahr sind die grünen Gewinn- wie auch die roten Verlustbalken zum Teil lang: Vereinzelt waren reale Renditen von mehr als 50 Prozent drin wie im Jahr 1933, auf der anderen Seite mussten Anleger Verluste von bis zu 44 Prozent hinnehmen. Eine längere Haltedauer dämpft die Ausschläge in beide Richtungen zunehmend ab, weil auf starke auch mal schwächere oder gar Verlustjahre folgen und umgekehrt.

Deutlich wird außerdem: Schon bei einer Haltedauer von fünf Jahren ist das Verlustrisiko weitaus geringer als bei einem kurzfristigen Investment, bei zehn Jahren verringert es sich weiter – und wer seine Anteile nach 20 Jahren Haltedauer wieder verkauft, der hat nie einen Verlust eingefahren. Unterm Strich hat ein geduldiger Anleger seit 1872 sein Vermögen also immer vermehrt, selbst wenn man die inflationsbedingten Kaufkraftverluste berücksichtigt.

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Länger anlegen verringert das Verlustrisiko

Jährliche reale Renditen eines Investments in den Index S&P 500* über verschieden lange Anlagezeiträume

Renditen über verschiedene Zeiträume
* Auf Grundlage von Indexdaten inklusive Dividenden und Inflation von 1871 bis 2018 in US-Dollar. Quelle: Robert Shiller, eigene Berechnungen. Hinweis: Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.

Am besten kam ein 20-Jahres-Anleger im Zeitraum von 1980 bis Ende 1999 weg: Sein Vermögen gewann im Schnitt – gemeint ist hier und im Folgenden immer das geometrische Mittel – jedes Jahr 13,1 Prozent an Wert. Am schlechtesten schnitt ein 20-Jahres-Anleger von Anfang 1929 bis Ende 1948 ab, also bei einem Einstieg genau vor der Weltwirtschaftskrise. Doch selbst in diesem Zeitraum war seine mittlere jährliche Rendite mit 2,7 Prozent positiv. Inflationsbereinigt, wohlgemerkt – und das in einem Zeitraum, in dem die Teuerungsrate zwischen minus zehn und plus 20 Prozent schwankte.

Was lässt sich aus der Auswertung ableiten?

  1. Der Kapitalmarkt ist nichts für kurzfristige Anleger. Heute investieren, in einem Jahr satte Erträge absahnen: Das klappt allenfalls mit Glück in Ausnahmefällen. Wer hingegen mit Blick aufs Alter früh investiert und lange durchhält, der ist in den vergangenen Jahrzehnten damit stets gut gefahren.
  2. Zwischen tatsächlichem und gefühltem Risiko bei der Geldanlage klafft eine Lücke. Bei vermeintlich sicheren Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld ist auf lange Sicht in den meisten Fällen eines sicher: Nach Abzug der Teuerungsrate verliert das Ersparte an Wert. Eine Anlage in Aktien hingegen, die kurzfristig risikoreich erscheint, hat bisher immer dafür gesorgt, dass das Vermögen langfristig wächst.
  3. Deutlich wird in der historischen Betrachtung, dass auf Einbrüche immer wieder Wachstumsphasen folgten und die Wertentwicklung langfristig positiv war. Dahinter steckt die Kraft der Marktwirtschaft, die langfristig immer wieder technologischen Fortschritt und Innovationen hervorbringt und so Produktivität und Wohlstand steigert.

Wie sich die Märkte künftig entwickeln werden, dazu lässt die vergangene Kursentwicklung eines Index wie des S&P 500 allerdings keine Schlüsse zu. Auch wenn die mittlere jährliche Rendite in den 20-Jahres-Zeiträumen seit Ende des 19. Jahrhunderts immer positiv war: Eine Garantie dafür, dass das immer so sein wird, gibt es nicht. Aber die Analyse umfasst immerhin zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise, die Dotcom-Baisse und die jüngste Finanzkrise.

Risikohinweis – Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen. Wir erbringen keine Anlage-, Rechts- und/oder Steuerberatung. Sollte diese Website Informationen über den Kapitalmarkt, Finanzinstrumente und/oder sonstige für die Kapitalanlage relevante Themen enthalten, so dienen diese Informationen ausschließlich der allgemeinen Erläuterung der von Unternehmen unserer Unternehmensgruppe erbrachten Wertpapierdienstleistungen. Bitte lesen Sie auch unsere Risikohinweise und Nutzungsbedingungen.

 

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Circ Team photo Nicolas
Nicolas Zeitler
Team Lead Editorial
Nicolas hat sich als Redakteur auf die Themen Finanzen und Digitales spezialisiert. Bevor er 2019 zu Scalable Capital kam, leitete er die Finanzredaktion beim Vergleichsportal Check24. Erste journalistische Sporen verdiente er sich beim Münchner Merkur. Anschließend arbeitete er für das IT-Wirtschaftsmagazin CIO und die Agenturen Grasundsterne und Fischerappelt. Nicolas hat Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert.