Sechs Fakten über die Deutschen und ihr Geld

30. April 2019  |  Nicolas Zeitler
Deutsche und ihr Geld 1900
Ab welchem Vermögen gehört man zu den Reichen? Wie viele Deutsche zählen sich selbst zu diesem Teil der Bevölkerung? Und wo liegt das Geld der Bundesbürger? Antworten gibt eine Studie der Bundesbank.

Die Deutschen unterhalten sich ungern über Geld. Bin ich mit meinem Ersparten eher Kirchenmaus oder Krösus? Haben die anderen mehr in Aktien investiert als ich? Selbst gute Freunde wissen oft wenig voneinander, was Finanzen angeht. Die Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen” der Bundesbank gibt Einblick in die Vermögensverhältnisse zwischen Garmisch und Flensburg. Grundlage ist eine Befragung von rund 5.000 Haushalten, die die Bundesbank alle drei Jahre durchführt. Die jetzt veröffentlichten Daten stammen aus der jüngsten Erhebung im Jahr 2017.

1. Mittleres Vermögen in drei Jahren um 17 Prozent gewachsen

70.800 Euro: So viel besitzt der mittlere Haushalt in Deutschland nach Abzug von Schulden. Zu den Besitztümern zählen Sachwerte wie Häuser, Autos oder Firmen ebenso wie Finanzvermögen, also Guthaben auf Bankkonten, Aktien und Fondsanteile. Zu den Schulden gehören alle Verbindlichkeiten, darunter laufende Immobilienkredite oder auch noch nicht beglichene Kreditkartenumsätze.

Der mittlere Haushalt teilt Deutschland in eine ärmere und eine reichere Hälfte. Die 70.800 Euro sind somit in der Vermögensverteilung der Medianwert. Er ist weniger anfällig für Ausreißer als der Durchschnitt. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Vermögen liegt bei 232.800 Euro.

Das Medianvermögen hat von 2014 bis 2017 um 17 Prozent zugelegt. Dies ist laut Bundesbank zum großen Teil auf gestiegene Einkommen zurückzuführen. Haushalte können dadurch mehr sparen und müssen weniger Kredite aufnehmen. Das durchschnittliche Vermögen ist im gleichen Zeitraum weniger stark gewachsen, nämlich um neun Prozent. Hinter dem gestiegenen Durchschnitt steht laut Bundesbank der Wertzuwachs von Immobilien und Aktien. Vor allem bei reicheren Bürgern sind diese Arten von Besitz verbreitet, bei Ärmeren dagegen kaum. So erhöht der Wertzuwachs zwar das Durchschnittsvermögen, beeinflusst das Medianvermögen aber nur geringfügig.

Schaut man sich die Verteilung nach Altersgruppen an, zeigt sich: Bis zum Alter von 55 bis 64 Jahren wächst das Medianvermögen, danach nimmt es ab – der typische Lauf, wenn man annimmt, dass Menschen ab dem Eintritt in den Ruhestand von ihrem Angesparten zehren. Auffällig: Das Einkommen sinkt schon vorher. Eine mögliche Erklärung hierfür ist laut Bundesbank, dass ein Teil der Beschäftigten schon vor dem Alter von 65 in den Ruhestand geht.

55- bis 64-Jährige haben das größte Vermögen

Einkommen* und Nettovermögen (jeweils in Tsd. €) nach Altersgruppen
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* Bruttoeinkommen aus Komponenten berechnet, Nettoeinkommen nach Selbsteinschätzung der Befragten. Quelle: Bundesbank

2. Ungleichheit leicht gesunken

Ungleichheit ist ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland. In der Bundesbank-Studie finden sich nun Anzeichen, dass die Ungleichheit etwas geringer geworden ist. Der Gini-Index, ein Indikator für Ungleichheit, ist von 76 auf 74 zurückgegangen.* Zudem: Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen laut der aktuellen Bundesbank-Studie 55 Prozent des Vermögens, drei Jahre zuvor besaßen sie noch 60 Prozent. Zum Vergleich: Laut Hudson Institute besaßen in den USA 2013 die reichsten zehn Prozent 75 Prozent des Vermögens. Einen klaren Trend, dass die Ungleichheit hierzulande abnimmt, will die Bundesbank aus den Zahlen allerdings nicht ableiten, unter anderem, weil sich diesmal weniger sehr reiche Haushalte an der Studie beteiligt haben. Insgesamt bezeichnen die Bundesbanker die Ungleichheit als hoch.

Bei anderer Betrachtung fällt sie geringer aus. Die Bundesbank zählt Guthaben bei privaten Renten- und Lebensversicherungen zum Vermögen, nicht aber zukünftige Renten- oder Pensionsansprüche. Das Münchner Ifo-Institut hingegen rechnet in einem Kurzbericht vom vergangenen Sommer auch die gesetzliche Rente, Pensionsansprüche sowie betriebliche und private Altersversorgung ein. Dadurch kommen die Wirtschaftsforscher auf einen geringeren Gini-Indexwert von 51.

Die unterschiedlichen Ansätze, was zum Vermögen zählt und welche Vermögensverteilung sich daraus ergibt, machen deutlich: Wie groß die Ungleichheit hierzulande ist, ist immer auch eine Frage der Sichtweise.

* Hat der Gini-Index einen Wert von 0, bedeutet dies, dass alle gleich viel haben. Liegt der Indexwert hingegen bei 100, besitzt eine Person das gesamte Vermögen.

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3. Kaum jemand hält sich selbst für reich

Ab einem Vermögen von 555.400 Euro gehört ein Haushalt in Deutschland zu den reichsten zehn Prozent, schon ab 334.000 Euro zu den reichsten 20 Prozent. Die meisten Menschen aus dem reichsten Fünftel der Bevölkerung rechnen allerdings gar nicht damit, dass sie zu dieser Gruppe gehören. Das zeigt die Selbsteinschätzung, die in der Studie ebenfalls abgefragt wurde. Deutlich weniger als drei Prozent zählen sich zu den oberen 20 Prozent.

Generell sieht sich die reichere Hälfte der Deutschen offenbar als weniger begütert an, als sie ist: In die fünf oberen Zehntel der Vermögensverteilung sortierten sich jeweils weniger als zehn Prozent der Befragten ein. Dafür ordnen sich teilweise um die 20 Prozent einem der Zehntel unterhalb der Mitte zu. Das sind nahezu doppelt so viele, wie tatsächlich zur jeweiligen Gruppe gehören.

Kaum jemand zählt sich zu den reichsten 20 Prozent

Anteil der Haushalte gemäß Selbsteinschätzung (in %)
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Die Dezile teilen die Haushalte gleichmäßig in zehn Gruppen, aufsteigend nach ihrem Vermögen geordnet. Zum ersten Dezil gehören die zehn Prozent der Haushalte mit dem geringsten, zum zehnten die mit dem größten Vermögen. Dass die Länge der Balken vom 10-Prozent-Niveau (rote Linie) abweicht, zeigt, dass sich die Selbsteinschätzung nicht mit der Realität deckt. Quelle: Bundesbank

4. Die Reichsten haben Häuser, Aktien und Anteile an der eigenen Firma

Wer reich ist, besitzt Sachwerte – vor allem Häuser oder Wohnungen. Von den vermögendsten 40 Prozent der Deutschen leben mehr als 80 Prozent in den eigenen vier Wänden. Insgesamt wohnt hierzulande dagegen nicht mal jeder Zweite in einer Immobilie, die ihm gehört. Ein anderer wesentlicher Teil großer Vermögen sind Anteile am eigenen Unternehmen. Von den reichsten zehn Prozent hält jeder Dritte eine solche Beteiligung. Von dem Fünftel mit dem niedrigsten Vermögen ist nur jeder 50ste direkt an einer Firma beteiligt.

Auch Aktienbesitz ist bei den Reicheren deutlich weiter verbreitet. Von den oberen zehn Prozent hat mehr als jeder Dritte Aktien oder Fondsanteile. Das untere Vermögensfünftel hat weder das eine, noch das andere.

Immobilien machen bei den Reichsten den größten Teil des Besitzes aus

Vermögenswerte und Schulden (in Tsd. €)
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Mittelwerte für die jeweiligen Quantile der Nettovermögensverteilung. Quelle: Bundesbank

5. Immer mehr Geld unverzinst auf dem Konto

Der Bundesbank-Bericht macht deutlich, wie sehr die Deutschen nach wie vor auf vermeintlich sichere Anlagen vertrauen und die Ertragsmöglichkeiten am Kapitalmarkt ungenutzt lassen. Offenbar bevorzugten sie zuletzt sogar verstärkt Anlageformen, die sie für risikoarm halten. Auf dem Girokonto eines durchschnittlichen Haushalts lagen zum Zeitpunkt der Befragung zwischen März und Oktober 2017 rund 7.100 Euro, 65 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Für diese Guthaben zahlen Banken in der Regel keine Zinsen, das Geld verliert also durch Inflation an Wert. Immerhin verringerten die Haushalte ihre Einlagen auf Sparkonten, die meist ebenfalls negative reale Renditen abwerfen, leicht auf durchschnittlich 29.440 Euro.

Das durchschnittliche Aktienvermögen ist im gleichen Zeitraum um 13 Prozent auf 43.700 Euro gewachsen, also deutlich weniger als die Ersparnisse auf Girokonten. Der Zuwachs bei den Aktien sieht erst recht gering aus, wenn man sich vor Augen führt, dass er zu einem wesentlichen Teil von der Entwicklung der Märkte getragen sein könnte. Zum Vergleich: Der DAX ist von Ende Juni 2014 bis Ende Juni 2017 (Zeitpunkt in der Mitte des Erhebungszeitraums für die Bundesbank-Studie) um 25 Prozent gestiegen, der Euro STOXX 50 immerhin um sieben Prozent.

Wie verbreitet die Zurückhaltung gegenüber dem Kapitalmarkt noch immer ist, zeigen auch zwei weitere Zahlen: Der Anteil der Besitzer von Fondsanteilen hat sich von 2014 bis 2017 nur leicht von 13 auf 16 Prozent erhöht, der der Aktionäre von zehn auf elf Prozent. Mittlerweile, Stand 2019, halten laut Deutschem Aktieninstitut 16 Prozent der Deutschen Aktien oder Fondsanteile.

6. Hinter Österreichern und US-Amerikanern

Im internationalen Vergleich stehen die Deutschen keineswegs an der Spitze. Sie liegen mit knapp 233.000 Euro zwar vor den Italienern, die durchschnittlich ein Vermögen von 206.000 Euro besitzen, aber hinter Österreichern (250.000 Euro) und erst recht hinter den US-Amerikanern, die umgerechnet durchschnittlich 625.000 Euro besitzen. Betrachtet man den Median, liegt Deutschland (gut 70.000 Euro) hinter allen drei Ländern. In Österreich besitzt der Medianhaushalt 83.000 Euro, in den USA umgerechnet 88.000 Euro und in Italien 126.000 Euro.

Dass die Deutschen hinterherhinken, hat mit Unterschieden im Vermögensaufbau und in der Altersvorsorge zu tun. Beispiel Immobilienbesitz: Der Anteil derer, die in den eigenen vier Wänden wohnen, ist in Deutschland mit 44 Prozent vergleichsweise niedrig. In Österreich wohnen 56 Prozent in einer eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus, in Italien sogar drei Viertel der Haushalte.

Auch was die Rente angeht, gibt es Unterschiede. In den USA etwa ist das Bewusstsein für private Vorsorge zusätzlich zur staatlichen Alterssicherung stärker ausgeprägt als hierzulande. Ein Baustein sind Sparpläne, in die der Arbeitgeber einen Teil des monatlichen Bruttolohns einzahlt. Das Geld wird in der Regel über Fonds unter anderem in Aktien angelegt.

Bild: Robert Wiedemann, unsplash.com

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Nicolas Zeitler
Financial Editor
Nicolas ist Redakteur mit den Themenschwerpunkten Finanzen und Digitales. Zuletzt leitete er die Finanzredaktion beim Vergleichsportal Check24. Erste journalistische Sporen verdiente er sich beim Münchner Merkur. Anschließend arbeitete er für das IT-Wirtschaftsmagazin CIO und die Agenturen Grasundsterne und Fischerappelt. Nicolas hat Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert.