Alte Hasen profitieren von jungen Wilden

Handelsblatt print: Nr. 64 vom 04.04.2016 Seite 32 / Finanzen & Börsen

Studien zeigen, dass Robo-Advisors für etablierte Vermögensverwalter sehr nützlich sind.

Katharina Schneider - Frankfurt

Bei Duellen zwischen Mensch und Computer haben die Menschen zuletzt meist den Kürzeren gezogen - vor wenigen Wochen zum Beispiel beim Strategie-Brettspiel Go. Besser sieht es dagegen für Banken und Vermögensverwalter im Duell mit sogenannten Robo-Advisors aus. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Etablierten sogar von der automatisierten Vermögensverwaltung profitieren werden.

Als Robo-Advisors werden Finanztechnologie-Anbieter, kurz Fintechs, bezeichnet, auf deren Internetplattformen der Kunde zunächst seinen Risikotyp ermittelt und dann ein Portfolio empfohlen bekommt, das nach wenigen Klicks für ihn eröffnet wird. Dieses setzt sich meist aus passiven Fonds zusammen - je risikofreudiger der Anleger ist, desto größer ist der Aktien- und desto kleiner der Anleiheanteil. In den USA verwalten Wealthfront und Betterment auf diese Weise insgesamt bereits mehr als sechs Milliarden Dollar.

"Auf Deutschland lässt sich das nicht so einfach übertragen", sagt Thorsten Pörschmann vom Finanzinformationsdienstleister Drescher & Cie. Er führt das schnelle Wachstum der Robo-Advisors insbesondere auf einen Steuervorteil zurück, den es hierzulande nicht gibt - das sogenannte "Tax Loss Harvesting". Dadurch könnten die Plattformen nach Steuern einen Renditevorteil von 1,4 Prozent erzielen.

Doch Pörschmanns Analyse, die er am vergangenen Freitag vorstellte, zeigt auch: In den USA sind etablierte Vermögensverwalter wie Vanguard und Charles Schwab längst auf den Zug aufgesprungen und verwalten mit eigenen Robo-Advisors schon bedeutend mehr Vermögen als die Fintechs. "Eine solche Entwicklung erwarte ich auch in Deutschland", sagt Pörschmann. Einige Beispiele gibt es schon, etwa den "Anlageassistenten" der Comdirect und den "Anlagefinder" der Deutsche-Bank-Tochter Maxblue. Auch Kooperationen zwischen Banken und Robo-Advisors sind schon in der Planung.

Zu einem erfreulichen Ergebnis für die etablierten Player kommt in Bezug auf Robo-Advisors auch eine aktuelle Studie der Citigroup: "Die Automatisierung wird die Produktivität der traditionellen Anlageberater steigern." Nach Meinung der Analysten werden anspruchsvolle Anleger, die höhere Summen investieren, auch in Zukunft eine Beratung mit persönlichem Kontakt bevorzugen. Doch für den Massenmarkt seien Robo-Advisors sinnvoll. Insbesondere jüngere und weniger vermögende Kunden könnten so gewonnen werden.

Bisher müssen Kunden bei klassischen Vermögensverwaltern meist mindestens 100 000 Euro mitbringen. Robo-Advisors bieten ihre Dienste schon für bedeutend kleinere Beträge an. Auf dem deutschen Markt verlangen Quirion und Scalable Capital mindestens 10 000 Euro, Whitebox und Ginmon 5 000 Euro und Vaamo zehn Euro. Dass auch sehr kleine Sparraten gemäß dem Risikoprofil investiert werden können, ist ein entscheidender Vorteil. "Für einen Finanzmakler alter Schule wäre das gar nicht möglich, die Kosten wären zu hoch", sagt Pörschmann.

Noch schöpfen Robo-Advisors ihr Potenzial aber längst nicht aus, denn streng genommen sind sie weder Roboter noch Berater. Viele Plattformen bieten starre Musterportfolios und sorgen mit einem automatischen Rebalancing dafür, dass die einmal festgelegte Gewichtung von Aktien und Anleihen erhalten bleibt. Für Privatanleger ist das ein guter Service, doch mit komplexen Algorithmen oder gar künstlicher Intelligenz hat das noch nichts zu tun. Eine Ausnahme bildet Scalable Capital, ein Fintech mit Vermögensverwalterlizenz. "Mit unserer selbst entwickelten Technologie zum Risikomanagement werden die Kundendepots ständig an das aktuelle Marktumfeld angepasst", sagt Mitgründer Erik Podzuweit.

Auch in der Beratung dürfte sich noch einiges tun: "In Zukunft könnten wir den Kunden beispielsweise besser bei der Bestimmung seiner monatlichen Sparrate unterstützen", sagt Oliver Vins, Mitgründer von Vaamo. Auch eine Beratung per Video-Chat schließt er nicht aus. "Anders als bei einer klassischen Bankberatung soll dabei aber der Service für den Kunden im Fokus stehen, das soll kein Verkaufsgespräch werden."